Irrweg Ganztagsschule

In der heutigen Grevener Zeitung und in den Westfälischen Nachrichten wurde mein Leserbrief zum Artikel: „Mensa mit Pasta-Theke und Gemüsebar. 16 Millionen für Schulen“ zum Teil veröffentlicht. Hier ist der ungekürzte Brief, die in den Zeitungen weggelassenen Teile sind fett markiert.

Herr Krimphoff und die Gesamtschule Greven machen eine sehr gute Pressearbeit – oder doch nur große Propaganda?

Es wird zum x-tenmale und seit Jahrzehnten wiederholt festgestellt, dass Schulessen schlecht ist und die Gesamtschule Greven schwärmt von einer Salattheke, als ob Schulessen nur aus Salat bestehen würde oder Kinder sich eher Salat holen und Pommes mit Schnitzel usw. verschmähen. Die Logik, daß ein individuell familiär zubereitetes Essen nicht nur schmackhafter, sondern auch gesünder ist, anstelle eines Großküchengerichts, welches aus Münster nach Greven transportiert wird, wird einfach ignoriert. Ebenso, daß ein Essen in familärer Umgebung der Bindung dient und damit erst die individuelle Persönlichkeit des Kindes beachtet werden kann.

Wenn eine Lehrerin der Gesamtschule bei der Nahrungsaufnahme in einem Raum mit 300 Schülern, der ausgebaut werden soll um weitere 300 Schüler aufzunehmen, ein „Zuhause-Gefühl“ erkennen will, wird das tatsächliche Ziel und was man von uns Eltern hält deutlich: Eine Schule in der die Kinder länger sind als vollzeitbeschäftigte Erwachsene an ihrem Arbeitsplatz. Die Erziehungskompetenz der Eltern wird grundsätzlich in Frage gestellt. Eltern sollen sich auf Zeugung und Unterbringung von Kindern beschränken. Mutter und Vater haben der Wirtschaft zu 100 Prozent zu dienen. Erziehung soll nur noch kollektiv stattfinden. Ganz offen, völlig unpropagandistisch, meinte der damalige SPD Generalsekretär Olaf Scholz Ende 2002, die SPD müsse durch entsprechende Kinder- und Familienpolitik, insbesondere durch den Ausbau der Kindertagesbetreuung, ,,die Lufthoheit über die Kinderbetten erobern“. Lenin sagte vor einem Komsomolzenkongreß um 1917 ähnliches.

Wollen wir wirklich eine kollektive Erziehung unserer Kinder? Wollen wir die Folgen einer staatlich kontrollierten Erziehung, wollen wir wirklich nach nur so kurzer Zeit tatsächlich die zwei letzten Diktaturen vergessen? Ich weiß, dass der jetzige Staat von einer Diktatur noch weit entfernt ist. Dies gilt es zu erhalten, kollektive Erziehung ebnet den Weg für diktatorische Verhältnisse.

Wir Eltern haben nicht nur das grundgesetzliche Recht und die grundgesetzliche Pflicht unsere Kinder zu erziehen – Schule hat im wesentlichen nur einen Bildungsauftrag – wir schulden die Erfüllung diese Aufgabe vor allem unseren Kindern und Enkelkindern. Nur eine auf das Kind individuell ausgerichtete Erziehung, die wiederum nur Eltern leisten können, garantiert eine Gesellschaft in der Menschen demokratisch und fair miteinander leben.

Wir Eltern sollten uns hüten den scheinbar bequemeren Weg einer Vollbeschäftigung beider Eltern mit gleichzeitiger Delegation der Erziehung unserer Kinder durch den Staat zu gehen. Unsere Kinder werden es uns unzählige Male danken. Ein Unternehmen, für das wir auf Kosten unserer Kinder zu 100 Prozent gearbeitet haben, oder die anderen, welche uns nur als Konsumenten sehen, wohl eher nicht.

Meine Hoffnung, daß die Politik den Irrweg Ganztagsschule bald wieder verlässt, steigt immer mehr. Selbst eher linksliberale Journalisten, wie Rainer Stadler von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen Bücher in denen die negativen Folgen kollektiver Erziehung aufgezeigt werden: „Vater Mutter Staat. Das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung – Wie Politik und Wirtschaft die Familien zerstören“ ISBN: 978-3453-28061-8.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.